Road to Riva del Garda

Vor nun schon ca. fünf Wochen beim Training mit Alex erfuhr ich, dass er und der ein oder andere aus seinem Team zum Rocky Mountain Marathon nach Riva an den Gardasee wollen. Hm…Gardaseemarathon…klingt cool dachte ich mir und habe mich kurzentschlossen für die Idee begeistern lassen.
Jeder der ein bissel Ahnung vom Marathonfahren hat, wird sich vorstellen können, dass man so eine Geschichte nicht einfach aus der Kalten fahren sollte. Also haben wir uns dazu entschlossen an den zwei vorangehenden Wochenenden uns nach und nach zu steigen was Dinstanz u Höhenmeter angeht. Im Laufe dieser Überlegungen stellte sich heraus, dass auch Ronald mit an den Gardasee will und schloss sich uns auch in den Vorberetungsrennen an.
Am 18.Mai ging es also los. Der Auftakt fand beim Kellerwald-Bike-Marathon statt. Das Rennen war irgendwo bei Kassel. Das hieß also ne ordentlich lange Anfahrt in Kauf nehmen…was solls: nach meiner Frühschicht am Samstag ging es mit Ronald erstmal nach Chemnitz um Alex abzuholen. So halb sechs ging es dann endlich los in Richtung Kassel. Ihr könnt euch ja vorstellen wann wir bei ca. 4 h Fahrt erst am Schlafplatz waren – richtig…spät, zu spät! Alex hatte uns Schlafplätze mit Frühstücksservice bei nem Transalp-Kumpel organisiert. Nochmal danke an die Jungs!!! Erst schwitzen vom Kamin, dann frieren vom offenem Fenster und mit viel zu wenig Schlaf am frühem Morgen zum Rennen. Die Vorzeichen waren also super… Das Rennen lief für uns drei (vorsichtig ausgedrückt) nicht berauschend. Die Strecke war eher langweilig: flach ansteigende lange Uphills, Abfahrten auf Forstautobahnen u auf den zwei kurzen Trails standen die anderen Fahrer wie Betonklötze im Weg!!! Alex schied mit starken Krämpfen nach 1,5 Runden aus, Ronald u ich mussten mit Krampfbeschwerden zwischendurch immer wieder mal raus nehmen und kamen mit ein paar Sekunden Abstand auf Platz 53 und 56 ins Ziel. Kein besonders gelungener Auftakt. Aber es war nur Training!
Weiter ging es dann am nächsten Wochenende beim Bad Harzburg Bike Marathon. Alex fiel durch Krankheit leider aus. Das hatte sich beim Kellerwald vermutlich schon angekündigt. Als Ersatzkandidat sammelten wir Torsten ein, für den sich die Reise noch richtig lohnen sollte. Diesmal war die Strecke für meinen Geschmack richtig geil! 85 km mit 2700hm verteilt auf fünf Runden – wer es nocht nicht weiß: im Harz gibt es richtig ordentlich hohe Berge! Leider suchte Ronald u mich diesmal der Pannenteufel heim. Besonders Ronald: bei mir war es nur ein Platten, aber Ronald schießt den Vogel mit einem zerbrochenem Sattel am Hardtail und einem fatalen Kettenklemmer nach Radwechsel mit dem Fully ab. Mehr Pech geht wohl kaum! Schade, denn wir waren super drauf und konnten trotz der Probleme uns noch auf Platz 25 u 28 vorkämpfen. Diesmal ohne Krämpfe…fast. Spaß gemacht hat es aber trotzdem! Dieses Rennen kann ich echt empfehlen: schöne Strecke mit tollen Trails, netten Leuten und wirklich leckerem Kuchen! Torsten war übrigens auf einem starken 3. Platz bei den Herren und konnte 50€ Trinkgeld mitnehmen. Gratulation!
Nun war es endlich soweit. Ok, noch nicht ganz. Zunächst stand uns eine ewig-lange Autofahrt gen Süden bevor. Diesmal waren Dani, Alex, Ronald, Robert und meine Wenigkeit dabei. Die Stimmung war super und so verging die Fahrt wie im Flug und wir hatten schon leichten Bauchmuskelkater bevor wir in Italien waren. Dort versuchten wir uns dann noch als DHL-Konkurrent, was uns nicht besonders gut gelang und ordentlich Zeit kostete. Nachdem wir dann endlich unser Hotel gefunden hatten, ging es auf dem Rad wieder zurück nach Torbole zur Anmeldung. Ziemlich chaotisch ging es dort zu, aber nach einer guten Stunde hatten wir dann unsere Startnummern. Zum Teil unter anderem Namen und unter Verlust wichtiger Dokumente, aber das Wichtigste war wir konnten starten. Abends haben wir uns dann noch ein leckeres Abendbrot gegönnt und das Carbo-loading an der Gelateria ließen wir uns natürlich auch nicht entgehen. Nach gefühlten drei Stunden Schlaf…wieder mal viel zu wenig… und einem Frühstück, welches nicht sonderlich förderlich für ein ordentliches Rennergebnis war, ging es in Richtung Start. Noch schnell die Flaschen und überflüssigen Klamotten abgegeben und schon ging es in die weit verstreuten Startblöcke. Meiner war leider sehr, sehr weit hinten… D und es ging nur von A bis F. Das war echt uncool! Egal, kurz nach acht fiel unser Startschuss und es ging gleich volle Kanne los. Ich wusste, dass am ersten Berg viel Stau sein soll also bügelte ich die ersten 5 km Anschlag über die Straße um ein paar Plätze gut zu machen. Die anderen versuchten es aus Startblock B mit einer ähnlichen Taktik. Genutzt hat es uns allen aber glaube nicht. Erster Berg – erster großer Stau. Da lässt man locker mal ne viertel Stunde liegen. Wenn sich ca. 2000 Leute den ersten Berg hochquälen kann es auf schmäleren Wegen schon mal recht eng werden. Der erste Berg ist aber schon richtig lang mit genügend Möglichkeiten an ein paar Langsameren vorbei zu fliegen. Man muss allerdings sehr aufpassen, dass man sich nicht übernimmt, denn auf mich warteten ja noch zwei solche Kracher. Wenn man ewig rauf fährt geht es dann natürlich irgendwann auch richtig lange runter. Sowas ist man als Mittelgebirgsbiker echt nicht gewohnt! Dazu ist auch noch der Belag zum Teil sehr tricky. Man hat beide Bremsen Anschlag gezogen, beide Räder drehen sich nicht mehr und trotzdem rutscht man noch weiter gen Tal! Echt irre! Ronald hatte wohl wieder einen kräftigen Kettenklemmer und verlor nicht nur das Kettenschloss, sondern auch jede Menge Zeit. Die Strecke lag ihm, glaube ich, auch nicht so sehr und somit kann er mit Platz 69 recht zufrieden sein. Die Starterfelder waren übrigens extrem gut besetzt. Ein Großteil der europäischen Marathonelite war dabei. Unter anderem Karl Platt, Stefan Sahm, Alban Lakata, Pia Sundstedt, uns und und! Nach einem abgeschlagenen Ventil und ewiger Fummelei entscheidet sich Alex auch für die grande Strecke und wird immerhin noch 24. bei den Herren. Dani fährt geplant die grande und wird mit zwischenzeitlichem Austrocknen wegen Getränkemangel ganz starke Achte bei den Frauen. Ich war der einzige Bekloppte von uns, der sich für die extrema entschied. Bereut habe ich es definitv nicht! Aber ich kann euch sagen der letzte Berg war echt mega heftig. Nachdem man schon ungefähr 2700hm in den Beine hat, ging es nochmal knapp 900hm rauf und das richtig eklig steil mit tiefem Schotter. Es ging ewig hoch, ich dachte schon man kommt im Himmel an. Nachdem wir das dann überstanden haben, kam aber der richtige Hammer: 20 min Abfahrt! Klingt erstmal geil, aber leider konnte ich von den vorausgegangenen Downhills kaum noch den Lenker halten. Das war ein echter Höllenritt! Gut, dass ich genau deswegen auf diesen Sport stehe – Grenzerfahrungen die deinen Horizont erweitern!!! Von der Ergebnisliste hatte ich zwar mehr erwartet, aber nach 6h8min ist es immerhin noch der 105.Platz bei den Herren geworden. Viel wichtiger ist mir aber die Erkentnis, dass ich an diesem Tag so fit wie noch nie bisher war und ich mich zum vergangenem Jahr wieder deutlich steigern konnte. Ich freue mich schon auf die nächsten Herausforderungen! Am Nachmittag kam dann auch Robert auf seine Kosten. Wir schauten uns gründlich auf der Messe um, tranken Café an der Promenade und genossen auch alle andere Vorzüge eines solchen Riesenevents! Abends gab es dann nochmal lecker Pizza und natürlich noch ein großes Eis, denn am nächstem Morgen ging es schon zurück… leider! Darüber waren sich alle einig. Ich fand es spitze!
mfg u sport frei,martin

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