TransAlp 2010: Etappe 4 – Langsam werden wir schneller…

… oder die anderen langsamer? Jedenfalls ging es heute wieder etwas besser. Wir haben endlich mal zwischendrin die Konkurrenten innerhalb der Top Ten gesehen. Der 11. Tagesrang stand dann in der Liste. Nach unserem schwierigen Start ist natürlich in der Gesamtwertung kaum noch eine schöne einstellige Platzierung drin, aber wir kämpfen jeden Tag, um wenigstens in den Tagesergebnissen weiter nach vorne zu kommen. Auch heute gab es am Start wieder den gesamten Startblock B zu überwinden, um dann am Gipfel des ersten Berges mal die vorderen Teams zu sehen. Da wir uns heute höchstens einen Platz in der Gesamtwertung nach vorne gearbeitet haben, wird das wohl bis Riva so bleiben.

Jana hat nun fast ein neues Rad: Wir haben ihre kompletten Bremsen umgebaut und die Tune-Laufräder mit den Conti Raceking haben ihr heute ein neues Rollgefühl beschert. In diesen unendlich langen, fiesen Schotterabfahrten sieht man übrigens so viele Leute mit Platten am Rand stehen. Auch wenn ich mich wiederhole: Notubes sei Dank, wir nicht! Einzige Panne des Tages: die Zugstufendämpfung meiner niegel-nagel-neuen 2011‘er DT Gabel ist komplett ausgestiegen. Springt das Rad halt etwas beim Anbremsen…

Die wichtigste Veränderung war allerdings heute das umstellen von Schieben auf Ziehen. Gestern Abend hatte ich noch kurz mit Natascha Binder von Felt/ Ötztal/ X-bionic gesprochen, welche ja auch hin und wieder in unserem Blog (thebikeblog.de) schreibt. Sie liegt mit ihrem Team übrigens aktuell auf dem 2. Platz bei den Frauen! Von ihr kam der Tipp, dass sich Jana besser bei mir an einer Trikottasche festhält, statt von mir geschoben zu werden. Das haben wir heute umgesetzt und ich glaube, wir waren dadurch wesentlich effizienter, weil ich dann in dieser Zeit auch richtig Druck auf die Pedalen bringen kann. Dafür bin ich heute auch mal in die intensiven Bereiche gegangen und bin deutlich müder als die letzten Tage.

Es gab heute traumhafte Trails auf einem Hochplateau. Wir haben uns fast die ganze Zeit oberhalb der Baumgrenze bewegt. Patte, vom mit uns reisenden Scott Genius Generation Team (www.genius-generation.de), ist heute an einer Brücke mit nur einem Geländer leider in den darunter liegenden Bach gestürzt. Zum Glück ist nichts Ernsthaftes passiert!

Da ich ja immer die offiziellen Verpflegungsstände besuche und dann wieder zu Jana vorfahre, hatte ich heute auch das Vergnügen zu sehen, wie sich Fahrer fast um den Hahn des Iso-Fasses geprügelt haben. Einige sind da sehr engagiert… Als ich dann zurück zu Jana kam, sah ich, dass sie eine Gruppe von ca. 15 Männern führte und alleine im Wind war, da sind wir dann gleich mal schön weg gefahren als ich da war. Bis auf unsere Bergabschwäche lief es überhaupt besser und die Beine fühlen sich jetzt hinterher viel besser an als an den letzten Tagen.

Heute hatten wir von Scuol nach Livigno übrigens 74km und 2377 HM zu absolvieren. Sah einfacher aus als gestern, war es dann aber leider doch nicht, man merkt schon, dass wir heute etwas höher waren. Und vor allem war es heute extrem staubig. Das gibt später am Bein zusammen mit dem Startöl eine feine Mischung, wie geteert und gefedert. Die Italiener haben heute wirklich ein feines Catering hinbekommen und waren ihrer Art entsprechend bei der “Rationierung” und Überwachung der Verteilung im Gegensatz zu Deutschen, Schweizern und Österreichern total entspannt. Es gibt ja eigentlich immer nur für die Fahrer gratis Catering, aber heute konnte auch Kay ordentlich Parma-Schinken, Parmesan und Ciabatta ergattern.

Übrigens verkehrte Welt: Unserem Betreuer (DANKE! DANKE! DANKE!) geht es seit Tagen mit einem sehr durchlässigen Magen-Darm-Trakt so wie eigentlich eher den Fahrern. Morgen kommt die “Königsetappe” mit 107km und 3461 HM! Wir haben schon ordentlich Respekt, weil es mit 1500 hm auch den längsten Anstieg gibt. Und das nachdem wir schon fast 70km in den Beinen haben. So schaffen wir es heute hoffentlich mal 22 Uhr zu schlafen.

Bis morgen

Ronald

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