Mein Abenteuer in Marokko (Winter 2016)

Da sich im Winter letzten Jahres die sehr seltene Gelegenheit bot, ein freies Zeitfenster von 12 Tagen zu nutzen setzte ich mal spontan einen alten Traum wieder um und flog mit dem MTB nach Marokko. Ich war dort schon 1996 ( ich weiß, ich bin alt wie die Kohle …) vier Wochen mit dem MTB und es war famos, also warum das ganze nicht, stark verkürzt wiederholen ?

Los ging es ab Leipzig für ca. 350 Euro ( hin und zurück ) bis nach Agadir am Atlantik und quasi auch gleich am Fuße des Hohen Atlas Gebirges gelegen. Der Radtransport kam nochmal 70 Euro und die Pappkiste für den Transport gibt’s bei vielen Radhändlern gratis.

Das MTB wurde gewählt, weil mit Rennrad nur die guten, aber stark befahrenen Hauptstraßen  nutzbar gewesen wären und ich einige tolle Passagen im Vorfeld er-googelt und „er-stravat“ hatte, welche echt nur mit dem MTB oder robustem Crossrad befahrbar waren.

 

Zum Gepäck: ein größerer Radrucksack fasste die Wechselsachen, Notwerkzeug, Essen und Kleinkram, am Rad wurde über einen 10 Euro Sattelstützenträger eine Isomatte, Minizelt und Schlafsack komprimiert befestigt und störte nie.

Los gings, Flug vier Stunden, Tür geht auf und wärmende Sonne erhellt das trübe Gemüt … Die Pappkiste entweder gegen kleines Geld irgendwo in Flughafennähe jemanden zum verwahren geben oder so wie ich, über Strava und Facebook Kontakt zum örtlichen MTB Verein suchen und schon gibt’s das Komplettprogramm mit abholen, Kiste verwahren, Abendessen, tausend Tipps und Stadtrundfahrt.

Die Runde, die ich zuvor über Strava und Googleearth schon gut erkundet hatte, ist so in meinem Strava Profil als Route gespeichert, verlief über 1000 Km und 12.000 Höhenmeter im groben so und war echt jeden Meter auf seine Art wert : von Agadir über kleine Straßen östlich Richtung Taroudant, von dort einen „Abstecher“ ins Gebirge bis auf die Schotterwegpasshöhe welche oben dann in einen Eselpfad endet aber mit der Abfahrt dann sogar zu einer neuen, schmalen Asphaltstraße mutiert unten dann Richtung Marakesch über den fantastischen Bergpass tiz n Test und über Asri weiter bis Marakesch von dort dann auf der N1 wieder Richtung Gebirge und den sehr gut ausgebauten Tiz n tichka Pass hoch. Kurz nach dem Top ging es dann links ( östlich über ein grandioses Tal dezent Richtung Quarzazate. Von dort über ein Wüstenartiges , steppiges Hochplateau mitten durch ein gefühltes nichts nach … und von da immer gegen den Sturm ( zumindest bei mir ) dann Rtg Taliouine und weiter über endlose Gebirgspässe, teilweise verschotterte und weggespülte Straßen nach Ighrem, was der kälteste Ort in ganz Marokko sein soll ( war er auch, im 4 Euro Hotelzimmer abends 8 Grad, früh dann nur noch 4 Grad ) Aber ab dann geht’s wieder ins Tal hinunter, tausend Kurven und es wird warm und sonnig ...Der Rest ist alles flach bis Agadir. Details zur Strecke gibt’s bei meinem Stravakonto, die ca. 40 Stravasegmente auf der Route waren mit Gepäck und MTB natürlich nicht angreifbar.

 

Die topografischen Highlights waren sicher immer die Bergpässe, alle auf ihre eigene Art besonders und anstrengend ( man vergesse nicht : Rucksack und Gepäck am Rad ). Leider unterschätzte ich das sich ändernde Wetter im Hochgebirge einmal und auch ein übler Regenschlag auf einem Hochplateau erwischte mich frontal, aber dies wurde mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen wieder ausgeglichen.

Die menschlichen Begegnungen sind unbezahlbar, oft sieht man zwar auch stundenlang gar keinen, aber wenn dann sind sie um so herzlicher, was dazu führte, dass ich mein Zelt nie brauchte und mich immer irgendwie einladen lies. Man muss nur nett mit den Leuten ins Gespräch kommen, per Handy paar schöne Bilder von daheim und der Tour zeigen und schon sind sie begeistert und man kann dann oft in den Hütten als Ehrengast mit Abendessen schlafen. Die Menschen sind, erlebt, durchweg nett und sympathisch. Trainierende Radfahrer sieht man unterwegs nie, es gibt aber zumindest in Agadir und in Marakesch große Bikeshops mit kompetenten Schraubern... Warum ich das weiß ? Weil sich bei meiner SRAM Nabe ein Kugellager mitten im Gebirge langsam, zunächst nur akustisch, später dann auch mechanisch komplett verabschiedete und ich dann ca. 50 Km vor Marakesch tatsächlich mit einem Billigtaxi ( Rad aufs Dach ) zum einzigen Cannondale Händler zwischen Mittelmeer und Namibia fahren musste, weil sich dann die Nabe schon selbst an der Achse zerrieb …

Mit dem Essen muss man schauen, wenn es am Weg mal was gescheites gibt, richtig zuschlagen, man weiß nämlich nie genau, wann Überland wieder etwas kommt. In den Kleinstädten gibt’s aber alles und auch sehr günstig, auch billige Hotels gibt es dann dort ab ca. 4 Euro pro Nacht, Visapflicht gibt’s auch keine, also dann los :-)

 

 

 

 

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